Animal Hoarding, was ist das?

Animal Hoarding ist eine psychische Störung, die zum unkontrollierten Halten und Sammeln von lebenden Haustieren führt. Die Haltungsbedingungen unterschreiten alle Standards der Tierhaltung (Hygiene, Pflege, Fütterung, tierärztliche Versorgung). Betroffene erkennen das Leid der Tiere meist nicht und leugnen die offensichtlichen Mängel, oft aus einer falsch verstandenen Tierliebe heraus.

In späten Stadien kommt es zur völligen Verwahrlosung des Tierbestandes. Der Tierhorter ist dabei unfähig, diese Missstände zu erkennen und zu beseitigen. Da die betroffenen Menschen ihren Lebensstil und die Privatsphäre oft ähnlich wie Messies nach außen hin verbergen, wird dieses Verhalten oft erst in einem sehr späten Stadium entdeckt, wenn Nachbarn vom Lärm gestört oder durch Gerüche darauf aufmerksam werden. Die wichtigste Ursache ist Einsamkeit und die Angst vor totaler Isolation. Die Haustiere werden als „Partnerersatz“ oder als „Ersatzfamilie“ betrachtet. Jedes neue Tier bedeutet ein weiteres Glücksgefühl. In manchen Familien, bei denen Tiere den Kindern bevorzugt werden, entwickelt sich auch ein Hoarding-Verhalten. Ein anderer Grund ist das zwanghafte Bedürfnis zu helfen. Das kann beispielsweise dann eintreten, wenn Tiere ausgesetzt werden oder aus einem Tierheim nicht vermittelbar sind.

Zentrale Merkmale:
  • Mangelnde Versorgung: Tiere leben oft auf engstem Raum in ihren eigenen Exkrementen, sind unterernährt, krank oder von Parasiten befallen.
  • Fehlende Krankheitseinsicht: Die Halter glauben fest daran, dass es den Tieren bei ihnen am besten geht, und lehnen Hilfe oder eine Reduzierung des Bestands meist ab.
  • Unkontrollierte Vermehrung: Da Tiere selten kastriert werden, wächst der Bestand und damit die Überforderung rapide an.

Psychologische Hintergründe

Animal Hoarding wird medizinisch oft als Teil des Zwangsspektrums oder als Sonderform des Messie-Syndroms eingeordnet. Experten unterscheiden vier Motivationstypen:
  1. Überforderte Pfleger: Haben oft eine enge Bindung zu ihren Tieren als „Familienersatz“; die Situation entgleitet durch Schicksalsschläge oder Überforderung.
  2. Rettertyp: Handelt aus missionarischem Drang, Tiere vor dem Tod oder Tierheimen zu „bewahren“.
  3. Züchtertyp: Ursprünglich gewerbliche Zucht, die durch Absatzprobleme und unkontrollierte Vermehrung außer Kontrolle gerät.
  4. Ausbeutertyp: Sammelt Tiere zur reinen Bedürfnisbefriedigung ohne Empathie (häufig soziopathische Züge).
Situation in Deutschland
  • Statistik: Im Jahr 2024 wurden laut dem Deutschen Tierschutzbund 147 Fälle mit 8.911 betroffenen Tieren dokumentiert – ein neuer Rekordwert.
  • Häufig betroffene Arten: Am häufigsten werden Katzen und Hunde gehortet; bei Kleintieren (Kaninchen, Ratten) sind die Bestandszahlen pro Fall aufgrund der Vermehrungsrate oft extrem hoch (einzelne Fälle mit über 2.000 Tieren).
  • Rechtliche Folgen: Tierquälerei durch Vernachlässigung kann mit Bußgeldern oder bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Behörden können Haltuungsverbote aussprechen, die jedoch mangels eines Zentralregisters oft durch Umzüge umgangen werden.
Was tun bei Verdacht?
Wenn Sie eine vernachlässigte Tierhaltung vermuten (Anzeichen: starker Geruch, Verschmutzung, hohe Tierzahl auf wenig Raum), sollten Sie das zuständige Veterinäramt oder die Polizei informieren. Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auf dem Fachportal animal-hoarding.de.
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